Geschichte

Wer wir sind, was wir sind und was wir tun


Der Anfang

Unter diesem Motto wollen wir versuchen, die Entstehung, die Entwicklung und den heutigen Stand unseres Vereins darzustellen. Auch die Lankwitzer Kleingärtner können auf eine lange Tradition zurück blicken. So entstanden bereits 1909 auf hoffnungslos verunkrauteten Wiesen und Äckern in der Gemeinde die ersten Kleingärten, die reine Nutzgärten waren.

Im Vordergrund stand aus Sorge um die tägliche Ernährung der Familie der Anbau von Hauptkulturen wie Kartoffeln, Gemüse und Getreide. Mit Beginn des 1. Weltkrieges verschlechterte sich die Versorgungslage noch weiter und der Kampf ums Überleben wurde auch zum Kampf um jeden Quadratmeter zu beackernde Fläche.

Aus der Not heraus gründeten am 17. Mai 1917 48 Familien die Kleingartenvereinsgruppe Lankwitz. Die Vereinsmitglieder bekamen “Grabeland” zugewiesen; das waren Geländestreifen in einer Größe von 1000 bis 2000 Quadratmeter, die nur von Jahr zu Jahr vom gleichen Pächter genutzt werden durften. Es gab keine Pachtverträge, eine kleingärtnerische Zukunftsplanung war damit unmöglich. Nur ganz mutige Mitglieder pflanzten Bäume und Sträucher an.


Die Zeitverträge

Erst als sich der Verein der Landpachtgenossenschaft als Gesamtorganisation und später dem Bezirksverband der Kleingärtner Steglitz anschloss, wurden vertragliche Vereinbarungen getroffen. So wurden die ersten Zeitverträge geschlossen, eine Kleintierhaltung genau festgelegt. Wer eine Laube wollte, musste zuvor eine Zeichnung einreichen. Ab 1921 wurden Lauben sogar baupolizeilich abgenommen. Das waren die ersten erfolgversprechende Schritte in Richtung des heutigen organisierten Kleingartenwesens.

Erstaunlicherweise mauserte sich der kleine Verein schnell zu einer stattlichen Gartenanlage. Bauern gaben Teile ihrer Äcker ab, das Land wurde erschlossen und immer neue Parzellierungen wurden vorgenommen. Gartengruppen entstanden und wurden zweckmäßigerweise gemeinsam verwaltet:

Zieten I und II; Stamm I, II und III; Tierheim; Apoldaer Straße, Königsgraben; Waltershauser Straße; Alt Lankwitz; Scharzhofberger Platz. Bis zu 1200 meist große Parzellen konnte der Verein sein eigen nennen. Doch die 20/30 Jahre mit Inflation und Weltwirtschaftskrise gingen auch an den Lankwitzern nicht spurlos vorüber. Wer einen Garten besaß, konnte sich glücklich schätzen, denn er hatte mit Obst und Gemüse, sowie Kleintieren begehrte Tauschmittel. Weiterhin wurden Gemüse-Sammel-Aktionen veranstaltet, um alten und bedürftigen Mitbürgern zu helfen. Gemüseausstellungen in “Lehmann’s Festsälen” dienten nicht nur Wettbewerbszwecken, sondern besserten auch den schmalen Geldbeutel so mancher Großfamilie auf. Es gibt auch Positives aus dieser Zeit zu berichten, denn die Vereinsmitglieder verstanden es schon immer Feste “feste” zu feiern. Umzüge durch Lankwitz mit geschmückten Pferdewagen und lautstarken Musikkapellen zogen durch die Straßen, und anschliessend ging es zusammen mit der Bevölkerung auf einen damals noch unbebauten “Festplatz“ bei Musik mit Tanz und Kinderattraktionen weiter. Und wer abends noch nicht genug hatte, ging wieder zu “Lehmanns“...

Mit Beginn des zweiten Weltkrieges änderte sich wieder alles. Was mühselig aufgebaut wurde, ging in Schutt und Asche unter. So auch die meisten Lankwitzer Gärten und mit ihnen Lauben, Bäume, Sträucher und Kleintiere. Riesige Gartenflächen wurden zu Flakstellungen umfunktioniert, die wiederum Ziel der Bombenabwürfe wurden. Überall Verwüstung, ein einziges Chaos! Die wenig stehen gebliebenen Lauben wurden zum Unterschlupf für die Ausgebombten. Mit behördlicher Genehmigung durften Lauben wieder aufgebaut und winterfest gemacht werden. Teilweise wurden auch sogenannte Behelfsheime in der Grösse von 20 und 24 m² zur Verfügung gestellt, die aneinandergebaut zwei Familien Platz bieten mussten. Und das unter den damaligen Voraussetzungen, natürlich alles ohne ordentliche Baugenehmigung


Nach dem Krieg

Die Zeit nach dem Krieg war begreiflicherweise hart und erforderte viel Improvisation. Es war zugleich eine Zeit des Zusammenrückens und Teilens, des gegenseitigen Helfens und Verständnisses. Allmählich normalisierten sich die Verhältnisse wieder und so rappelten sich die verbliebenen Vereinsmitglieder zu neuen Taten auf. Es wurde ein neuer Vorstand gewählt, der Verein gab sich eine Satzung und wurde 1950 als Kleingärtner-Verein-Lankwitz in das Vereinsregister eingetragen. 1951 wurde ein großzügig gestalteter Vereinsplatz in der verlängerten Zietenstraße angelegt und als größte Errungenschaft ein Vereinsheim gebaut, das natürlich viel Geld kostete. Da aber der Vorstand mit dem Durst der Kleingärtner rechnen konnte, besorgte er sich einen Zuschuss über den Getränkehersteller. Nach und nach wurden die Anlagen neu aufgeteilt, mit neuen Zäunen und Wasserleitungen versehen. Die provisorisch erstellten Lauben und Behelfsheime machten schönen Sommerhäusern vorgeschriebener Grösse Platz und die Narben des Krieges wurden durch das Grünen und Blühen tausender Obstbäume verdeckt. Leider konnte nicht uneingeschränkt wieder aufgebaut werden, denn der Wille zur Erneuerung wurde arg gedämpft. Die sprunghaft steigende Bevölkerungszahl Berlins forderte ihren Tribut, viele Gärten mussten geräumt werden und dem Wohnungs- und Straßenbau, sowie Sozialeinrichtungen Platz machen. So verlor der Verein zwischenzeitlich ganze Kolonieteile wie Eiswaldtstraße, Stamm I und II und die Apoldaer Gärten. Zum Glück konnte unter Mithilfe des Bezirksverbandes und der Behörden den meisten Räumlingen nach und nach eine Ersatzparzelle beschafft werden. Jedoch bedeutete jede zwangsweise Aufgabe eines individuell gestalteten Gartens und die damit verbundenen Erinnerungen stets ein schmerzhafter Abschied, womöglich auch ein endgültiger Abschied vom aktiven Kleingärtnern für die Menschen, die keine Kraft mehr für einen Neuanfang hatten.


Heute

Heute verfügt der Kleingärtner-Verein Lankwitz e.V. nicht einmal mehr über die Hälfte der Parzellen. Diese sind durch ihre vorgeschriebene, auf durchschnittlich 250 qm reduzierte Grösse nun als “echte Kleingärten” zu betrachten, in denen der Obst- und Gemüseanbau zwar etwas zurückgetreten, der Freizeit- und Erholungswert aber unbestritten hoch einzustufen ist. Insgesamt blieben nur noch knapp 500 Parzellen.

Trotz dieser herben Verluste geht das Vereinsleben uneingeschränkt weiter. So hält der Vorstand pro Jahr eine Jahreshauptversammlung, zwei geschäftsführende Vorstandssitzungen, drei erweiterte Vorstandssitzungen, drei Kolonieversammlungen und einundzwanzig Sprechstunden für die Mitglieder ab. Darüber hinaus hat der Verein einen umfangreichen Veranstaltungskalender, denn Geselligkeit für grosse und kleine Kleingärtner wird selbstverständlich immer noch gepflegt. Ostereiersuchen, Pfingstkonzert, Kaffeeklatsch, Spielenachmittage, Sommerfest, Seniorenkaffee, Erntedankfest und Trödelmarkt werden stehts gern besucht. Hierbei kommt der sehr schöne Vereinsplatz mit Freiluftausschank, überdachtem Musikpodium und großer Tanzfläche zum Einsatz. Mit Stolz ist auch die kleine, aber urgemütliche und von April bis Oktober durchgehend bewirtschaftete Vereinskantine zu erwähnen. Hier veranstaltet der Wirt zusätzlich den “Tanz in den Mai”, Skatabende, Eisbeinessen usw. je nach Bedarf.


KOMMEN SIE UNS EINMAL BESUCHEN !!!


So stellen wir uns das kleingärtnerische Vereinsleben vor und so soll es auch bleiben. Und dass es so bleibt, liegt nicht allein am Kleingärtner-Verein Lankwitz, sondern in erster Linie an der Einsicht der Politiker. Kleingärten sind “lebendes Grün” und dieses Grün ist nicht nur für einige wenige, sondern für alle Berliner und unseren Gästen zu erhalten.

Im September 2017 feierte der Kleingärtner-Verein Lankwitz sein 100. Jubiläum, eine lange Zeit voller trauriger, aber auch erfreulicher Geschichten.